Anna…

vocesAls ich zu Jaime das erste Mal kam, war ich körperlich, geistig und energetisch auf einem absoluten Tiefpunkt. Ich habe Brustkrebs und ich hatte gerade eine Chemotherapie abgeschlossen. Haare weg, ein dickes Lymphödem im rechten Arm, schwere Alpträume und hochgradig depressiv. Ich konnte meine Tränen nicht mehr kontrollieren. Sie liefen einfach, wie sie wollten. Dazu kamen noch mysteriöse Tiefenverspannungen in der Hüfte, so dass ich nur unter Schmerzen laufen konnte. Ich war bereit zu allem, wenn es mir nur besser ging.

Nach den zwei Einzelsitzungen, die ich mit Jaime im Abstand von nur wenigen Wochen hatte, waren meine Beschwerden nicht sofort auf wunderbare Weise verschwunden, aber ich fand mich in einem deutlich anderen Bewußtseinszustand wieder: durch die Heil- und Reinigungszeremonie fühlte ich mich gestärkt, gekräftigt in Seele und Geist, getröstet im Herzen. Es gab einfach genügend Licht und Energie in mir, um mich nicht von den widrigen Umständen so niedermachen zu lassen. Es gab genügend Bewußtsein, Klarheit und Selbstliebe in mir, die jedes Leiden ertragen konnte, weil sie stärker sind alles Leiden.

Auch die Gespräche, die Jaime mit mir führte, halfen mir sehr. Ich kann mich nicht mehr an jedes einzelne Wort erinnern. Aber mir ist bis heute sehr präsent, wie ich mich direkt im Herzen angesprochen fühlte und – trotz meiner schwierigen Lage – hoffnungsvoll und gestärkt aus dem Gespräch hervorging.

In den folgenden Wochen lösten sich alle meine körperlichen Beschwerden langsam auf. Sicherlich wurde dieser Heilungsprozess auch vorangetrieben durch die Beendigung der Chemotherapie und physiotherapeutische Massagen von Arm und Hüfte. Ich glaube aber nicht, dass dies ein selbst-verständliches Ergebnis der physiotherapeutischen Behandlungen war, vielmehr konnten die physiotherapeutischen Behandlungen so erfolgreich sein, weil Jaime mit seiner herzöffnenden, liebevollen Aufmerksamkeit und seiner hochkonzentrierten geistigen Arbeit emotionale Blockaden und destruktiv-depressive Zustände berühren und wieder ins Fließen bringen kann. Der Körper entspannt sich und kann nicht anders, als diesen Impulsen von Licht und Liebe zu folgen und so in die Heilung zu gehen.

In den Gruppenzeremonien erweist sich Jaime als weiser Lehrer und als Meister psychischer und spiritueller Energien. Jaime kreiert einen Raum der Geborgenheit und des natürlichen Miteinanderseins auf seine selbstverständliche Art, mit Witz und mit einfachen Worten. Genau so eröffnet er die Mesa, den Altar oder den Ort der konzentrierten Energien und Elemente. Er richtet unsere Aufmerksamkeit auf die von uns mitgebrachten, persönlichen Kraftgegenstände: ein Stein, ein Ring, eine kleine Figur. Was oder wer macht diesen Gegenstand zu einem Kraftgegenstand? Ist die eröffnende Frage. Einzig und allein wir und unsere liebevolle Aufmerksamkeit und Zuwendung zu diesem Gegenstand. Das ist nichts anderes als unser Bewußtsein. Und während wir uns in die intime Bedeutung unseres Objektes vertiefen, kommen schon unsere intimen Gefühle, Sehnsüchte, Wünsche auf zwanglose Art in unser Bewußtsein. Sie sind da und sie verbinden uns zu einem andächtigen Kreis. In diesem Kreis schauen wir uns an, hören Jaimes Worte zu Liebe und Achtsamkeit, in diesem Kreis geht mehrmals der Redestab um, und wir geben mit ebenso einfachen, wenigen Worten unser aktuelles Gefühl in den Kreis. In diesem Kreis gestalten wir andächtig Bilder von Schönheit und Ordnung mit Rosenblättern oder wir machen eine Reise in unser Inneres, begleitet von Jaimes Gesängen. Dazwischen gibt es kleine Pausen, wo wir uns die Beine vertreten, eine Tasse Tee trinken oder einfach nur mit unserem Nachbarn plaudern. Die Pause ist nicht dafür da, dass sich Jaime ausruhen kann. Nein, es ist nicht anstrengend für ihn, das kann ich nicht wahrnehmen. Die Pause ist für uns da, dass wir uns entspannt hin und her bewegen zwischen Selbst-versunkenheit und offener Gemeinschaft. Und auf einmal sind wir, ohne es angestrengt gesucht zu haben, erfüllt von Herzenswärme, Zuversicht und Freude. Und Jaime nimmt diese Herzensenergien auf und macht daraus ein großes Ritual der Dankbarkeit. Wir werden angeleitet, unser Herz auszuschütten und entdecken mit Erstaunen, wie viel Dankbarkeit und Liebe in unserem Herzen verborgen ist. So kommen wir vom Nehmen ins Geben. Aller Kummer, jede Traurigkeit, Sorge und Angst verwandelt sich unbemerkt in überfließende Liebe und Dankbarkeit, und der Fluß wird immer größer mit jeder Umarmung mehr, die wir unserem Nachbarn schenken.  In diesem Gefühl von Wärme, Dankbarkeit und Verbundenheit endet die Gruppenzeremonie und wir sind wieder von ganzem Herzen mit der Erde und mit unseren Nächsten verbunden.

Jaime ist der unauffällige, bescheidene Choreograph, der mit Liebe und Achtung und sicherem Gespür jede emotionale und geistige Energie im Raum aufnimmt, auf die eine oder andere Weise beantwortet, sie zu einem Tanz der Transformation zusammenführt und uns auf diese Weise in eine neue Erfahrung der Liebe, der Ganzheit und der Hoffnung entlässt.

Es geschehen keine spektakulären Wunder in Jaimes Zeremonien, keine dunklen Magien oder wilden Ekstasen. Jaime ist ein Heiler des Herzens, der uns zu unserer stärksten Kraft der Heilung, der Liebe zurückführt. Und alles, was in unserem Leben der Gesundung, der Veränderung, der Lösung bedarf, folgt dieser Kraft auf leise und selbstverständliche Art nach und verwandelt sich. Ich muß nicht an irgendetwas glauben oder mir irgendetwas vormachen. Ich brauche mich nur von meinem Herzen her zu öffnen und dann zu lauschen, was geschieht oder geschehen will. Jaime ist der Mensch, der weiß, wie das Geschehen in Richtung Licht und Liebe gelenkt werden kann. Darauf vertraue ich.